Schmallenberg Virus
Nach oben Blauzungenkrankheit Maedi Visna Scrapie Genotypisierung Schmallenberg Virus

 

Home
Rasseinformation
Zum Betrieb
Aktuelles
Verkaufsangebote
Tiere
Gesundheit
Abc der Texelzucht
Service-Angebote
Gästebuch

 

Zurück Nach oben

Dies ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen und Lehrbüchern verbunden mit Informationen aus der Praxis! (Stand 2012)

Da es kaum neue Informationen zum Schmallenbergvirus selbst gibt und die Lage sich insoweit "stabilisiert" hat, dass das SBV regional sehr weit verbreitet ist erfolgen nur noch sporadische Aktualisierungen! Sofern es neue Meldungen, Erfahrungen, Erscheinungsformen oder Erkenntnisse gibt freue ich mich über jede Information aus Wissenschaft und Praxis!

Schmallenberg-Virus (SBV)

" Schmallenberg Virus " ist der vorläufige Arbeitsname des Virus. Es wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in der Nähe von Schmallenberg im Sauerland zuerst bei einigen Rindern festgestellt - daher rührt der Name - obwohl identische Krankheitsbilder bereits in den Niederlanden aufgetaucht waren. Weil die gezeigte Klinik (Krankheitserscheinungen) in Europa und Deutschland bislang nicht bekannt waren wurde das gefundene isolierte und unbekannte Virus durch das FLI einer neuartigen Genombestimmung unterzogen. Hierbei konnte es der Gattung Orthobunya zugeordnet werden und zeigt die größte genetische Ähnlichkeit mit dem Shamonda Virus (SHAV) und wird deshalb als Shamonda-like kategorisiert. Dieses gehört mit dem bekannteren Akabane-Virus und dem Aino-Virus zur so genannten Simbusero-Gruppe welche in Afrika, Asien, Ozeanien und Australien bekannt sind. Als Arbovirus deklariert wird es nur von Gliederfüßlern (Insekten) übertragen.


Klinik (Krankheitserscheinungen)

 Nach allen Literaturquellen für die bekannten Virusarten ist es für Menschen ungefährlich! Auch das europäische Zentrum für Prävention und Bekämpfung von Krankheiten hat es bei einer Risikobewertung als nicht gesundheitsgefährdend für den Menschen eingestuft. Das Robert-Koch_Institut (RKI) wird in einer Studie überprüfen ob dies tatsächlich der Fall ist und Blutproben von Personen nehmen die Kontakt mit dem Virus hatten und einen Fragenkatalog dazu ausfüllen. Hierzu haben ca. 60 betroffene Schafhalter am 29.02.12 Blutproben abgegeben. Aus den Befragungen ergaben sich keine Anhaltspunkte für irgendwelche Verdachtsmomente. Das Untersuchungsergebnis liegt seit dem 02.04.12 vor und es wurde in keiner Probe Antikörper oder das Virus selbst gefunden!

Das Virus befällt nur Wiederkäuer - obwohl es auch schon bei Pferden nachgewiesen wurde. Inwieweit Wildwiederkäuer betroffen sind kann noch niemand sagen. Bei Schafen gibt es nach Viruseintrag eher milde und unauffällige Symptome. Es wird nur vereinzelt von leichten unerklärbaren Durchfällen berichtet, die nach 1-5 Tagen abklingen. Meist verlaufen die Infektionen sehr milde. Bei Rindern dagegen gibt es neben einem mildem Verlauf auch deutlichere Symptome wie reduziertes Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit, hohes Fieber von über 40° C,  mittelgradige Durchfälle sowie Rückgang der Milchleistung um bis zu 50%.
Bei tragenden Tieren können die Feten betroffen sein. Das SBV kann in Abhängigkeit vom Trächtigkeitsstadium die Plazentaschranke überwinden. Nach der Literatur betrifft dies Infektionen bei Schafen vom 28 bis 56 Trächtigkeitstag (auch vom 28. bis 35. Tag oder bis 50. Trächtigkeitstag) und bei Rindern vom 80 bis 150 (70-110) Tag. Ein Viruseintrag führt zu Aborten (eher bei Infektionen vor dem 30 Tag) oder zu Schäden in der Entwicklung der heranreifenden Früchte: Pathologisch-anatomische Veränderungen wie Schiefhals, Wasserköpfe, Kleinköpfe, Kieferverformungen, Veränderungen und Versteifungen an den Gliedmaßen und /oder Verkrümmungen der Wirbelsäule sind die Regel. Auch erhebliche Veränderungen der Hirnmasse können auftreten. Diese gehen teilweise so weit , das keine Gehirnmasse mehr zu erkennen ist. Auch wird von lebensschwachen Lämmern berichtet, die Schwierigkeiten mit der Motorik, dem Stand, dem Saugakt am Muttertier haben. Zudem sollen diese Lämmer anfälliger für Infekte sein. Die weitaus meisten werden allerdings tot geboren.
In betroffenen Herden scheint es mindestens vorübergehend bei mehr als 25% der geborenen Lämmer zu den oben beschriebenen Missbildungen zu kommen. Es kommt häufig vor, dass bei Zwillingen oder Drillingen ein Lamm gesund ist und ein anderes verkrüppelt oder missgebildet ist und als Totgeburt zur Welt kommt. Einlinge scheinen weniger betroffen zu sein. Die gesunden Lämmer kommen in der Regel zuerst. Manche berichten von gleichschweren, die meisten aber von niedrigeren Gewichten bei den missgebildeten Lämmern.

Schmallenberg-Virus Missbildung Schiefhals und "verdrehtes" Karpalgelenk links

Schmallenberg-Virus Missbildung krummer Rücken mit Gelenkversteifung vorne

Genealogie: Es handelt sich um die Gattung Orthobunya - Viren aus der Serogruppe Akabane und Shamonda (SHAV). Genetisch laut FLI eher ähnlich dem SHAV. Die Wissenschaft geht mittlerweile von einem neuen Virus aus.

Biologie: Das Virus wird durch Stich- und Saugakte von Insekten über den Speichel übertragen. Die Infektion erfolgt genau wie bei der Blauzungenkrankheit nicht von Tier zu Tier sondern vorwiegend durch so genannte Vektoren (=Träger/Fahrer) - bei uns sind dies meist Gnitzen (Bartmücken) der Gattung Culicoides. Forscher haben Viren in den Gnitzen-Arten Culicoides obsoletus, C. dewulfi und C. pulicaris. Die Virämie (Zeit in der das Virus im Tier nachweisbar ist) soll nur 1-7 Tage betragen. Die Lebenszeit der Stechinsekten mit 10-90 Tagen beschränkt die Verbreitung. Daher kann von einer momentanen  "Ausbreitung" des Virus nicht gesprochen werden, da die Verbreitung saisonal an die Aktivität der Mücken gebunden ist. So findet ein nennenswerter Insektenflug zur Zeit nicht statt; wobei es grundsätzlich zu Verwehungen durch Winde kommen kann: Hierbei sind 50 km keine Ausnahme. Aber - Tiere die jetzt gebären sind im Sommer/Herbst 2011 infiziert worden und in dieser Zeit erfolgte auch die Ausbreitung!
Dem FLI ist es gelungen das Virus zu isolieren, zu identifizieren und zu fotografieren. Es ist ca. 100 nm (100 millionstel Meter) groß. Hier können Sie es sich ansehen: FLI
Nach Literaturangaben sollen die Akabane-Viren nicht auf die Brutgeneration der Insekten übergehen.

Eine wirksame Therapie / Behandlung gibt es nicht - einzig und allein eine Impfung wäre möglich.

Einen Lebend-Impfstoff soll es in Japan gegen Akabane geben, der je jedoch mit großen Nebenwirkungen wie Todesfällen einhergeht. Insoweit wird dort auf eine natürliche Durchseuchung gesetzt. Auch in Australien soll es Impfstoffe geben über deren Wirkung nichts bekannt ist. Zudem konnte in Europa das Virus noch nicht einwandfrei bestimmt werden, so dass ein Impfstoff  - wenn überhaupt - im Sommer 2012 vor der Decksaison interessant wäre. Erfahrungsgemäß wird es aber so kurzfristig keinen Impfstoff geben! Allerdings forscht die Freie Universität Berlin bereits an der Herstellung eines Impfstoffes. Die tierärztliche Hochschule Hannover steht in den Startlöchern und das FLI ist natürlich auch sehr aktiv. Bei entsprechender Freigabe seitens der Politik könnte ein Impfstoff nach ca. 18 Monaten einsatzbereit sein - also nicht vor 2014. Nach den  üblichen Vorgaben wie Tests und Genehmigungsverfahren dauert es ca. 5-6 Jahre. Zunächst wird sicher über Monitorings überprüft werden ob sich das SBV in den nun identifizierten Mückenarten finden lässt. Die Diskussion ob Impfstoff oder nicht hat hinter den Kulissen bereits begonnen: Nach Meinung einiger Experten ist ein Impfstoff nicht von Nöten, da in NRW nur ca. 1,2% der rinderhaltenden Betriebe betroffen seien und sprechen von einem milden Verlauf bei den Rindern. Auch die EU schätzt die Lage nicht dramatisch ein.

Alles in allem ein großes Kompliment an die Wissenschaftler! Früher hätte allein die Identifikation des Virus Jahre gedauert!

Ein Video zum Schmallenbergvirus der tierärztlichen Hochschule Hannover, dass auch einiges zur Klinik zeigt können sie sich hier anschauen: SBV-Video


Vorkommen und Verbreitung

Land                      Bundesland

Betriebe Bemerkungen                                    Stand: 17.03.2012
Niederlanden >450 flächendeckende Verbreitung
Deutschland >980
Belgien >383
Dänemark keine Zahlen bekannt
Großbritannien >58 Ost-England (Norfolk, Suffolk und East Sussex
Frankreich >152 in 14 Departments festgestellt; vorwiegend im Norden
Luxemburg >1 ab 21.02.12
Italien >1 ab 21.02.12

NRW

>326 flächendeckende Verbreitung

Niedersachsen

>179

Hessen

>126

Schleswig-Holstein

>117 flächendeckend

Rheinland-Pfalz

>52 flächendeckend

Baden-Württemberg

>28

Saarland

>4 ab 30.01.12  Verdacht 1 bestätigt

Brandenburg

>21 ab 31.01.12 flächendeckende Verbreitung

Thüringen

>32 ab 31.01.12

Hamburg

>8 ab 03.02.12

Sachsen-Anhalt

>26 ab 03.02.12

Bayern

>16 ab 03.02.12

Sachsen

>32 ab 06.02.12

Mecklenburg-Vorpommern

>11 ab 06.02.12 Verdacht 1 bestätigt

Berlin

>1 ab 15.02.12
Spanien ab 12.03.12
Griechenland hierzu gibt es keine Meldungen - Gerüchteküche?

Hier eine Übersicht von Europa mit Stand vom 22.02.12:

Eine aktuelle Übersicht zu Deutschland mit den einzelnen Bundesländern finden sie nun auch in Tabellenform beim FLI. Auf der erscheinenden Seite rechts gibt es auch die aktuelle Karte zur Gebietskulisse von Deutschland.  Während bei den Schafen die Hauptlammzeit sich dem Ende zu neigt kommen nun die Rinder mit Kalbezeit März-April mit stark steigenden Fallzahlen. PDF-Übersichten zur Gebietskulisse von Deutschland vom FLI:  SBV-Bestätigt D 160312 und vom LANUV Übersicht SBV-NRW

Es wird zwischen Verdachtsfällen (missgebildete Lämmer, Ziegen oder Kälber) und Nachgewiesen (festgestellte Viren mittels PCR, Antikörper und/oder typische pathologische Veränderungen) unterschieden. In den Statistiken werden nur Betriebe aufgeführt, in denen bei mindestens einem Tier das Virus nachgewiesen werden konnte. Nach Angaben des FLI konnte trotz typischer Krankheitsanzeichen bei ca. 30% der untersuchten Tiere kein Virus nachgewiesen werden. Bei Rindern ist das Missverhältnis noch deutlich größer und liegt bei ca. 66%. Darüber hinaus gibt es sicher auch eine entsprechende "Dunkelziffer", da es keine reguläre Meldepflicht gibt. Da die Lammzeit ihren kalendarischen Höhepunkt überschritten hat aber die Kalbezeit erst darauf  zu geht werden naturgemäß die Anzahl der Fälle mit Rindern ansteigen; denn vor der Geburt ist nichts von dem Dilemma zu merken. Allerdings - sofern ein Fall bestätigt wurde - werden  für diesen Betrieb keine weiteren Untersuchungen durchgeführt und eine regelgerechte Meldepflicht besteht bundesweit nicht.

Das FLI hat eine so genannte RT-qPCR Methode entwickelt und auch an ausländische Institute weitergegeben mit dem sich das Virus nachweisen lässt. Einen kommerziellen ELISA-Test, mit dem sich die Antikörper nachweisen lassen gibt es zur Zeit noch nicht. Das FLI hat aber einen Serum-Neutralisations-Test (SNT) etabliert,  mit dem die Antikörper nachgewiesen werden können. Auch werden Immunfluoreszenz-Tests an Blutproben zum Erregernachweis durchgeführt.

Bei der massiven Verbreitung des Virus stellen sich die Wissenschaftler die Frage ob es sich um einen Neueintrag eines exotischen Virus handelt oder ob Orthobunya Viren schon seit längerem in Europa vorkommen.

Die Verbreitung konnte allerdings vollkommen im Stillen und "heimlich" erfolgen da die Tiere, die mit dem Virus durch stechende Insekten infiziert wurden (bei Schafen im krassen Gegensatz zur Blauzungenkrankheit), nicht sichtbar erkrankten! Trotzdem ist die massive regionale Verbreitung bei gleichem Vektor (Gnitzen) - auch wieder im Gegensatz zur Blauzungenkrankheit - rätselhaft. Neben der Einfuhr japanischer Blumen (mit Insekten?) nach Holland mit anschließender weiterer Verteilung an Händler in diversen Regionen könnten ebenso Zugvögel für eine Einschleppung und die rasche flächendeckende Verbreitung gesorgt haben. Auch ein bisher unbekanntes Reservoir (Lebewesen in dem Viren verbleiben) mit entsprechender Mobilität ist denkbar. So werden Kleinnager und Vögel werden als Reservoir vermutet. Die Wissenschaftler prüfen aber ebenso die These ob das Virus sich schon länger in der Region befunden hat.

Zur Abschätzung der Verbreitung (der so genannten Gebietskulisse) muss in Deutschland  jedes Bundesland 60 Blutproben zur Untersuchung beim FLI einreichen. Dies betrifft Proben von missgebildeten Tieren wie auch Proben aus klinisch gesunden Beständen.

Wie es heißt will das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) kurzfristig eine Meldepflicht im Eilverfahren für diese Virusinfektion einführen. Die Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten soll entsprechend geändert werden. Da wohl hierfür die Zustimmung des Bundesrates erforderlich ist wird dies doch noch bis Ende März dauern. Seit dem 01.02.12 gilt aber gemäß Vereinbarung eine "de facto"-Meldepflicht für Veterinärämter und Untersuchungseinrichtungen, die eine Eintragung in die TSN (nationale Tierseuchendatenbank) vornehmen müssen. Die gängige Meldepraxis ist seit dem 30.03.12 amtlich: Der Bundesrat beschließt Meldepflicht für das Schmallenberg-Virus. Das BMELV hat sich am 23.01.12 beim EU-Agrarrat dafür ausgesprochen eine europaweite Meldepflicht einzuführen. In den Niederlanden gibt es bereits eine Meldepflicht seit dem 20.12.2011 um die geographische Verbreitung zu erfassen. Auch in Niedersachsen wurde deshalb eine Meldepflicht eingeführt. Am 6. Februar hat das LANUV NRW eine Sitzung auf Behördenebene abgehalten in der entschieden werden soll wie sowohl für Rinder, Ziegen, als auch Schafe mit dem Problem umgegangen werden soll. Dort waren alle Veterinärämter und Vertreter der Tierhalterorganisationen geladen. Das LANUV hat ab dem 06.02.12 in NRW eine Meldepflicht eingeführt. Darüber hinaus sollen alle Züchter einen detaillierten Fragebogen erhalten, der darüber Aufschluss geben soll wie die Krankheit am besten bekämpft werden kann.

Auf EU-Ebene hat die Ständige Kommission für Lebensmittelversorgung und Tiergesundheit sich dafür ausgesprochen keine Anzeigepflicht einzuführen. Die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten haben Anfang 2012 beschlossen das wegen des Schmallenbergvirus der Handel nicht eingeschränkt werden soll. Russland hat zum 19.01.2012 die Einfuhr kleiner Wiederkäuer und deren Produkten gestoppt und dies am 06. Februar auf Rinder ausgeweitet. Die EU sieht keine Notwendigkeit für übereilte Aktionen wie Handelsbeschränkungen oder die Herstellung eines Impfstoffes. 15 Drittländer haben einen Importstopp verhängt - darunter sind Argentinien, Brasilien Kanada, Japan und die USA.

Die Tierhalter sollten bereits jetzt freiwillig melden (in Niedersachsen ist bereits Meldepflicht!) weil die Schäden auch wirtschaftlich enorm sind. Nur so kann man diese Schäden zahlenmäßig und regional erfassen damit die jeweiligen Institutionen sehen, dass hiergegen etwas getan werden muss. Auch kann so Probenmaterial für die weitere Erforschung gewonnen werden um auch auf diesem Wege etwas gegen diese Erkrankung tun zu können. In NRW trägt das Land nach Information des Schafzuchtverbandes die Untersuchungskosten für 2 Tiere je Betrieb. Auch in Niedersachsen werden die Kosten gegenwärtig vom Land übernommen.
Die Veterinärämter können niemandem Vorwürfe machen, da keiner (außer dem der es eventuell eingeschleppt hat) etwas dafür kann wenn bei ihm missgebildete Tiere geboren werden. Sobald eine Meldepflicht eingeführt wird kann es sogar so weit kommen, dass eventuell über die Seuchenkassen (Länderspezifisch!) eine Entschädigung gezahlt wird.


Praxistipps

Bewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich nicht verrückt machen - sie können jetzt nichts tun - außer:

Kontrollieren Sie ihre Muttertiere während der Ablammungen verstärkt!  Durch die Missbildungen kann eine normale Geburt (z.B. durch Schiefhals oder versteifte Gelenke) unmöglich werden und das Lamm im Schaf verbleiben (Verlust des Schafes!) oder die Geburt der gesunden Geschwister verhindern, die dann auch infolge der langen Verzögerung tot geboren werden! Auch sollen die Geburtsanzeichen nicht so deutlich sein wie bei normalen Geburten!

Schlussfolgerungen wie - ab dem Zeitpunkt X treten keine Missbildungen mehr auf oder dann erst ab dem Zeitpunkt X - können nicht gemacht werden, da

  1.  nicht klar ist ob Viruseintrag erfolgt ist oder nicht
  2.  der Zeitpunkt des Viruseintrags nicht bekannt ist und
  3.  wenn Viruseintrag war, nicht bekannt ist in welchem Trächtigkeitsstadium die Infektion erfolgte!

Kontrollieren Sie ihre Tiere auf Trächtigkeit (Scham und Euterkontrolle). Stellen Sie einen deutlich höheren Anteil güster Schafe als gewöhnlich fest spricht dies für einen Viruskontakt ihrer Herde.

Etwas Vorrat an Gleitmittel und Kernseife schadet nicht!

Melden Sie ihre verdächtigen Tiere dem Veterinäramt und bewahren Sie die Entsorgungsbelege wegen einer möglichen Entschädigung sorgfältig auf.

Gehen Sie keine unnötigen Risiken ein. Verfüttern Sie keine Schmallenbergvirus-verdächtigen Lämmer an ihre Hunde und denken Sie an das mögliche Kleinnagerreservoir!. Das Virus wurde meistens im Gehirn der Lämmer gefunden - bei manchen Sektionen aber überall im Kadaver!


Eigene Erfahrungen

Seit dem 15. Januar sind bei insgesamt 28 Geburten  keine Tiere mit SBV-Auffälligkeiten mehr geboren worden.  Damit ist aus meiner Sicht das Thema SBV für dieses Jahr ausgestanden. Die geborenen Lämmer liegen zwar mit 161%  innerhalb der  rassetypischen Leistungen sind aber für meinen Betrieb nicht im normalen Bereich. Darüber hinaus gibt es weit überdurchschnittlich (ca.10%) offenbar nicht tragende Schafe. Im Schnitt der letzten drei Jahren zuvor waren es nur 0,7%!  Die nun sechswöchige Periode ohne SBV-Fälle macht Hoffnung - aber das kann nur auf meine Region bezogen werden! In anderen Gebieten kommt es immer darauf an wann das Virus in die tragenden Tiere geraten ist.

So stellt sich das Bild bei mir so dar: Bezieht man SBV-Lämmer und die nicht tragenden Tiere mit ein dürften diese Tiere mit einem Ablammzeitraum vom 13. Januar bis 07. Februar 2012 (also fast vier Wochen) Viruseintrag in der kritischen Phase gehabt haben. Dieser führte entweder zum Absetzen, Resorption, Verlammung oder zu einem geschädigten Lamm. Danach sind keine weiteren Fälle aufgetreten - obwohl die Herde in insgesamt drei Deckgruppen aufgeteilt war, die sich auch an unterschiedlichen Orten befanden. Also müssen die Tiere ohne SBV-Schäden bereits vor der kritischen Phase (28. bis 56. Tag) und auch vor dem 1-28.Tag Viruskontakt gehabt haben. Das bedeutet zurückgerechnet auf das Jahr 2012 das die vom SBV betroffenen Tiere etwa im September 2011 Viruseintrag hatten  - die anderen davor!

In einigen SBV-Betrieben wurden Blutproben gemacht. Ich bin auf deren Antikörperstatus und die Ergebnisse sehr gespannt! Die Untersuchungsergebnisse stimmen mich sehr nachdenklich. Selbst in stark betroffenen haben nur 20 - 60% der getesteten Mütter Antikörper. In einem befreundeten Betrieb hat von 24 Blutproben nur 1 Bock Antikörper gehabt obwohl definitiv 4 Mütter betroffen waren!

Es waren jeweils bei drei Muttern ein Zwilling betroffen. Die SBV-Lämmer waren allesamt weiblich und deutlich leichter (2,1 bis 3,2 kg) als ihre Wurfgeschwister und wurden tot geboren. Das erste betroffene Lamm wurde trotz Schiefhals alleine von der Mutter geboren! Auch die beiden anderen kamen nach den Gesunden. Als es dann nicht voran ging habe ich diese geholt. Gott sei Dank sind die betroffenen Lämmer leichter  - damit ist eine Geburtshilfe einfacher - insbesondere wenn Gelenkversteifungen auftreten. Wenn es anders herum ist  - die kranken zuerst und diese nicht herauspassen gibt es Bruch! Da meine Tiere darauf gezüchtet sind alleine zu gebären (inklusive Jährlingen lammen ca. 66% ohne Aufsicht und Eingriff einer Person) bedeutet dies für mich einen immensen Mehraufwand in der Geburtenkontrolle.

Habe am  25.01.12 das Untersuchungsergebnis meiner 2 eingesandten Lämmer bekommen. Bei einem Lamm konnte das Virus nachgewiesen werden.

Wenn man sich sonst auf die Lammzeit gefreut hat geht man das jetzt schon nicht mehr so locker an. Ich habe nach den Fällen meine Herde kontrolliert, da auch von Aborten berichtet wird. Nach diesen Untersuchungen sind scheinbar auffallend viele Schafe nicht sichtbar tragend!

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webm@texelschaf.de oder tragen Sie sich ins Gästebuch ein!
Copyright © 2003- 2014 Gerd Dumke  Hohe Strasse 17 D-51570 Windeck