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Dies ist eine aktuelle Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen und Lehrbüchern verbunden mit Informationen aus der Praxis! Es erfolgen laufend Aktualisierungen! Sofern es neue Meldungen, Erfahrungen, Erscheinungsformen oder Erkenntnisse gibt freue ich mich über jede Information aus Wissenschaft und Praxis! Schmallenberg-Virus (SBV)" Schmallenberg Virus " ist der vorläufige Arbeitsname des Virus. Es wurde vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in der Nähe von Schmallenberg im Sauerland zuerst bei einigen Rindern festgestellt - daher rührt der Name - obwohl identische Krankheitsbilder bereits in den Niederlanden aufgetaucht waren. Weil die gezeigte Klinik (Krankheitserscheinungen) in Europa und Deutschland bislang nicht bekannt waren wurde das gefundene isolierte und unbekannte Virus durch das FLI einer neuartigen Genombestimmung unterzogen. Hierbei konnte es der Gattung Orthobunya zugeordnet werden und zeigt die größte genetische Ähnlichkeit mit dem Shamonda Virus (SHAV) und wird deshalb als Shamonda-like kategorisiert. Dieses gehört mit dem bekannteren Akabane-Virus und dem Aino-Virus zur so genannten Simbusero-Gruppe welche in Afrika, Asien, Ozeanien und Australien bekannt sind. Als Arbovirus deklariert wird es nur von Gliederfüßlern (Insekten) übertragen. Klinik (Krankheitserscheinungen) Nach allen Literaturquellen für die bekannten Virusarten ist es für
Menschen ungefährlich! Auch das europäische Zentrum für Prävention und
Bekämpfung von Krankheiten hat eine Risikobewertung als nicht
gesundheitsgefährdend für den Menschen eingestuft.
Genealogie: Es handelt sich um die Gattung Orthobunya - Viren aus der Serogruppe Akabane und Shamonda (SHAV). Genetisch laut FLI eher ähnlich dem SHAV. Die Wissenschaft geht mittlerweile von einem neuen Virus aus. Biologie: Das Virus wird durch Stich- und Saugakte von Insekten
über den Speichel übertragen. Die Infektion erfolgt genau wie bei der Blauzungenkrankheit
nicht von Tier zu Tier sondern vorwiegend durch so genannte Vektoren
(=Träger/Fahrer) - bei uns sind dies meist Gnitzen (Bartmücken) der Gattung
Culocoides. Die Virämie (Zeit in der das Virus im Tier nachweisbar ist) soll nur
1-7 Tage betragen. Die Lebenszeit der Stechinsekten mit 10-90 Tagen beschränkt die
Verbreitung. Daher kann von einer momentanen "Ausbreitung" des Virus nicht
gesprochen werden, da die Verbreitung saisonal an die Aktivität der Mücken
gebunden ist. So findet ein nennenswerter Insektenflug zur Zeit nicht statt; wobei
es grundsätzlich zu Verwehungen durch Winde kommen kann: Hierbei sind 50 km
keine Ausnahme. Aber - Tiere die jetzt gebären sind im Sommer/Herbst 2011 infiziert worden
und in dieser Zeit erfolgte auch die Ausbreitung! Eine wirksame Therapie / Behandlung gibt es nicht - einzig und allein eine Impfung wäre möglich. Einen Lebend-Impfstoff soll es in Japan gegen Akabane geben, der je jedoch mit großen Nebenwirkungen wie Todesfällen einhergeht. Insoweit wird dort auf eine natürliche Durchseuchung gesetzt. Auch in Australien soll es Impfstoffe geben über deren Wirkung nichts bekannt ist. Zudem konnte in Europa das Virus noch nicht einwandfrei bestimmt werden, so dass ein Impfstoff - wenn überhaupt - im Sommer 2012 vor der Decksaison interessant wäre. Erfahrungsgemäß wird es aber so kurzfristig keinen Impfstoff geben! Allerdings forscht die Freie Universität Berlin bereits an der Herstellung eines Impfstoffes. Die tierärztliche Hochschule Hannover steht in den Startlöchern und das FLI ist natürlich auch sehr aktiv. Alles in allem ein großes Kompliment an die Wissenschaftler! Früher hätte allein die Identifikation des Virus Jahre gedauert! Ein Video zum Schmallenbergvirus der tierärztlichen Hochschule Hannover, dass auch einiges zur Klinik zeigt können sie sich hier anschauen: SBV-Video Vorkommen und Verbreitung
Eine aktuelle Übersicht zu Deutschland mit den einzelnen Bundesländern finden sie nun auch in Tabellenform beim FLI. Auf der erscheinenden Seite rechts gibt es auch die aktuelle Karte zur Gebietskulisse. PDF-Übersichten zur Gebietskulisse von Deutschland vom FLI: SBV-Bestätigt D 170212 und vom LANUV Übersicht SBV-NRW Es wird zwischen Verdachtsfällen (missgebildete Lämmer, Ziegen oder Kälber) und Nachgewiesen (festgestellte Viren mittels PCR, Antikörper und/oder typische pathologische Veränderungen) unterschieden. Sicher gibt es auch eine entsprechende "Dunkelziffer", da es keine reguläre Meldepflicht gibt. Da die Lammzeit und die Kalbezeit auf ihre kalendarischen Höhepunkte zu gehen werden naturgemäß auch die Anzahl der Fälle ansteigen; denn vor der Geburt ist nichts von dem Dilemma zu merken. Allerdings - sofern ein Fall bestätigt wurde - werden für diesen Betrieb keine weiteren Untersuchungen durchgeführt und eine regelgerechte Meldepflicht besteht bundesweit nicht. Das FLI hat eine so genannte RT-qPCR Methode entwickelt und auch an ausländische Institute weitergegeben mit dem sich das Virus nachweisen lässt. Einen kommerziellen ELISA-Test, mit dem sich die Antikörper nachweisen lassen gibt es zur Zeit noch nicht. Das FLI hat aber einen Serum-Neutralisations-Test (SNT) etabliert, mit dem die Antikörper nachgewiesen werden können. Auch werden Immunfluoreszenz-Tests an Blutproben zum Erregernachweis durchgeführt. Bei der massiven Verbreitung des Virus stellen sich die Wissenschaftler die Frage ob es sich um einen Neueintrag eines exotischen Virus handelt oder ob Orthobunya Viren schon seit längerem in Europa vorkommen. Die Verbreitung konnte allerdings vollkommen im Stillen und "heimlich" erfolgen da die Tiere, die mit dem Virus durch stechende Insekten infiziert wurden (bei Schafen im krassen Gegensatz zur Blauzungenkrankheit), nicht sichtbar erkrankten! Trotzdem ist die massive regionale Verbreitung bei gleichem Vektor (Gnitzen) - auch wieder im Gegensatz zur Blauzungenkrankheit - rätselhaft. Neben der Einfuhr japanischer Blumen (mit Insekten?) nach Holland mit anschließender weiterer Verteilung an Händler in diversen Regionen könnten ebenso Zugvögel für eine Einschleppung und die rasche flächendeckende Verbreitung gesorgt haben. Auch ein bisher unbekanntes Reservoir (Lebewesen in dem Viren verbleiben) mit entsprechender Mobilität ist denkbar. So werden Kleinnager und Vögel werden als Reservoir vermutet. Die Wissenschaftler prüfen aber ebenso die These ob das Virus sich schon länger in der Region befunden hat. Zur Abschätzung der Verbreitung (der so genannten Gebietskulisse) muss in Deutschland jedes Bundesland 60 Blutproben zur Untersuchung beim FLI einreichen. Dies betrifft Proben von missgebildeten Tieren wie auch Proben aus klinisch gesunden Beständen. Wie es heißt will das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) kurzfristig eine Meldepflicht im Eilverfahren für diese Virusinfektion einführen. Die Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten soll entsprechend geändert werden. Da wohl hierfür die Zustimmung des Bundesrates erforderlich ist wird dies doch noch bis Ende März dauern. Seit dem 01.02.12 gilt aber gemäß Vereinbarung eine "de facto"-Meldepflicht für Veterinärämter und Untersuchungseinrichtungen, die eine Eintragung in die TSN (nationale Tierseuchendatenbank) vornehmen müssen. Das BMELV hat sich am 23.01.12 beim EU-Agrarrat dafür ausgesprochen eine europaweite Meldepflicht einzuführen. In den Niederlanden gibt es bereits eine Meldepflicht seit dem 20.12.2011 um die geographische Verbreitung zu erfassen. Auch in Niedersachsen wurde deshalb eine Meldepflicht eingeführt. Am 6. Februar hat das LANUV NRW eine Sitzung auf Behördenebene abgehalten in der entschieden werden soll wie sowohl für Rinder, Ziegen, als auch Schafe mit dem Problem umgegangen werden soll. Dort waren alle Veterinärämter und Vertreter der Tierhalterorganisationen geladen. Das LANUV hat ab dem 06.02.12 in NRW eine Meldepflicht eingeführt. Darüber hinaus sollen alle Züchter einen detaillierten Fragebogen erhalten, der darüber Aufschluss geben soll wie die Krankheit am besten bekämpft werden kann. Auf EU-Ebene hat die Ständige Kommission für Lebensmittelversorgung und Tiergesundheit sich dafür ausgesprochen keine Anzeigepflicht einzuführen. Die Europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten haben Anfang 2012 beschlossen das wegen des Schmallenbergvirus der Handel nicht eingeschränkt werden soll. Russland hat zum 19.01.2012 die Einfuhr kleiner Wiederkäuer und deren Produkten gestoppt und dies am 06. Februar auf Rinder ausgeweitet. Die EU sieht keine Notwendigkeit für übereilte Aktionen wie Handelsbeschränkungen oder die Herstellung eines Impfstoffes. Die Tierhalter sollten bereits jetzt freiwillig melden (in
Niedersachsen ist bereits Meldepflicht!) weil die
Schäden auch wirtschaftlich enorm sind. Nur so kann man diese Schäden
zahlenmäßig und regional erfassen damit die jeweiligen Institutionen sehen, dass hiergegen
etwas getan werden muss. Auch kann so Probenmaterial für die weitere Erforschung
gewonnen werden um auch auf diesem Wege etwas gegen diese Erkrankung tun zu
können. In NRW trägt das Land nach Information des Schafzuchtverbandes die
Untersuchungskosten für 2 Tiere je Betrieb. Auch in Niedersachsen werden die
Kosten gegenwärtig vom Land übernommen. PraxistippsBewahren Sie Ruhe und lassen Sie sich nicht verrückt machen - sie können jetzt nichts tun - außer: Kontrollieren Sie ihre Muttertiere während der Ablammungen verstärkt! Durch die Missbildungen kann eine normale Geburt (z.B. durch Schiefhals oder versteifte Gelenke) unmöglich werden und das Lamm im Schaf verbleiben (Verlust des Schafes!) oder die Geburt der gesunden Geschwister verhindern, die dann auch infolge der langen Verzögerung tot geboren werden! Auch sollen die Geburtsanzeichen nicht so deutlich sein wie bei normalen Geburten! Schlussfolgerungen wie - ab dem Zeitpunkt X treten keine Missbildungen mehr auf oder dann erst ab dem Zeitpunkt X - können nicht gemacht werden, da
Kontrollieren Sie ihre Tiere auf Trächtigkeit (Scham und Euterkontrolle). Stellen Sie einen deutlich höheren Anteil güster Schafe als gewöhnlich fest spricht dies für einen Viruskontakt ihrer Herde. Etwas Vorrat an Gleitmittel und Kernseife schadet nicht! Melden Sie ihre verdächtigen Tiere dem Veterinäramt und bewahren Sie die Entsorgungsbelege wegen einer möglichen Entschädigung sorgfältig auf. Gehen Sie keine unnötigen Risiken ein. Verfüttern Sie keine Schmallenbergvirus-verdächtigen Lämmer an ihre Hunde und denken Sie an das mögliche Kleinnagerreservoir!. Das Virus wurde meistens im Gehirn der Lämmer gefunden - bei manchen Sektionen aber überall im Kadaver! Eigene ErfahrungenVon bisher 19 Schafen wurden 31 Lämmer geboren. Bei den letzten 12 Schafen war alles in Ordnung. Seit dem 15. Januar sind bei mir keine Tiere mit SBV-Auffälligkeiten mehr geboren worden. Die Fruchtbarkeit liegt zwar mit 163% innerhalb der rassetypischen Leistungen ist aber für meinen Betrieb nicht im normalen Bereich. Darüber hinaus gibt es weit überdurchschnittlich (ca.10%) offenbar nicht tragende Schafe. Im Schnitt der letzten drei Jahren zuvor waren es nur 0,7%! Doch macht die über vierwöchige Periode ohne SBV-Fälle Hoffnung - aber ich kann mir noch nicht vorstellen, dass schon alles vorbei ist. Es waren jeweils bei drei Muttern ein Zwilling betroffen. Die SBV-Lämmer waren allesamt weiblich und deutlich leichter (2,1 bis 3,2 kg) als ihre Wurfgeschwister und wurden tot geboren. Das erste betroffene Lamm wurde trotz Schiefhals alleine von der Mutter geboren! Auch die beiden anderen kamen nach den Gesunden. Als es dann nicht voran ging habe ich diese geholt. Gott sei Dank sind die betroffenen Lämmer leichter - damit ist eine Geburtshilfe einfacher - insbesondere wenn Gelenkversteifungen auftreten. Wenn es anders herum ist - die kranken zuerst und diese nicht herauspassen gibt es Bruch! Da meine Tiere darauf gezüchtet sind alleine zu gebären (inklusive Jährlingen lammen ca. 66% ohne Aufsicht und Eingriff einer Person) bedeutet dies für mich einen immensen Mehraufwand in der Geburtenkontrolle. Habe am 25.01.12 das Untersuchungsergebnis meiner 2 eingesandten Lämmer bekommen. Bei einem Lamm konnte das Virus nachgewiesen werden. Wenn man sich sonst auf die Lammzeit gefreut hat geht man das jetzt schon nicht mehr so locker an. Ich habe nach den Fällen meine Herde kontrolliert, da auch von Aborten berichtet wird. Nach diesen Untersuchungen sind scheinbar auffallend viele Schafe nicht sichtbar tragend! |
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